Gemeinsam für den Orang-Utan
Ohne Regenwald gibt es auch keine Orang-Utans. Aber es kann auch keinen erfolgreichen Naturschutz ohne die Unterstützung der lokalen Bevölkerung geben.
Um den Lebensraum der Orang-Utans zu schützen und die Anzahl getöteter Tiere zu reduzieren, müssen wir an die Menschen gelangen, die den Regenwald abholzen und die Orang-Utans verfolgen. Dies sind meist Menschen, welche in Dörfern und Städten leben, die direkt am Waldrand liegen. Schon bei seiner Gründung beabsichtigte das SOCP, ein Umweltbildungsprogramm für alle Bevölkerungsschichten zu entwickeln, um das Verständnis für die ökologischen Probleme zu fördern und um das Verhältnis der Menschen zu ihrer Umwelt zu ändern – und damit letzlich ihr Verhalten. Viele Indonesier sind sich bewusst, dass die Zerstörung der Regenwälder zu tieferen Wasserständen in den Flüssen und mehr Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erosion führt. Sie erkennen aber nicht unbedingt, welche langfristigen Auswirkungen die Zerstörung auf ihre Familien hat und wie viel die Folgen den Staat und sie selbst kostet. Und wie leicht es zu verhindern wäre.
Der Orang-Utan ist der ideale Afhänger, an dessen Beispiel diese Fragen öffentlich diskutiert werden können. Er ist eine höchst charismatische Tierart, welche die Indonesier kennen und mögen. Trotzdem wissen oft auch gebildete Menschen nicht, dass der Orang-Utan nur auf Sumatra und Borneo vorkommt. Wenn wir das Bewusstsein für den Orang-Utan und damit seinen Schutz fördern können, verbessern wir damit automatisch auch den Schutz einer ganzen Reihe weiterer seltener Arten. Indirekt sichern wir ausserdem die Versorgung mit sauberem Trinkwasser, intakte Flusslandschaften und die Bodenfruchtbarkeit, was wiederum die Schäden durch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Erdrutschte verringert.
Wilderei, illegaler Holzeinschlag und Schwarzhandel sind nicht nur eine Folge von Unwissenheit, sondern vielmehr ein Ausdruck von Armut und wirtschaftlicher Notlage. Um die Wilderei und den Handel mit geschützten Arten und den illegalen Holzeinschlag wirkungsvoll zu unterbinden, muss man neben der Aufklärung konkrete Massnahmen ergreifen, die positive sozio-ökonomische Auswirkungen haben. Mit anderen Worten: Es müssen alternative Einnahmequellen erschlossen werden, beispielsweise im Bereich Ökotourismus. Wenn das nicht gelingt, wird das neue Schutzprogramm keine nachhaltige Wirkung zeigen und Orang-Utans werden nach wie vor gewildert und ihr Lebensraum zerstört werden.