Vier Jahrzehnte an Daten
In Ketambe läuft die weltweit längste Studie einer Menschenaffenart. Es ist vor allem dem SOCP und seiner Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern und den lokalen Behörden zu verdanken, dass dort nach wie vor geforscht wird.
Die Forschungsstation Ketambe wurde 1971 von Dr. Herman Rijksen gegründet und ist sogar bekannter und bedeutender als Suaq Balimbing. Neben Jane Goodalls Forschungsarbeit über die Schimpansen von Gombe und dem Karisoke Berggorilla Projekt in Ruanda, welches von der verstorbenen Diane Fossey gegründet wurde, gehört Ketambe zu den drei am längsten laufenden Forschungsprojekten einer Menschenaffenart auf der ganzen Welt. Die Orang-Utans von Ketambe haben den weitaus grössten Teil zum heutigen Wissen über wildlebende Orang-Utans beigetragen. Es ist vor allem dem SOCP und seiner engen Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern und Regierungsbehörden zu verdanken, dass die Arbeit in Ketambe sogar während des Konfliktes in der Provinz Aceh fast ohne Unterbrüche weitergeführt werden konnte. Bis heute überwachen Studenten die dort lebenden Orang-Utans fortlaufend.
Als 1999 die Unruhen in der Provinz Aceh begannen, war die Zukunft der Forschungstätigkeiten in Ketambe mehr als unsicher. Während des Konfliktes konnten keine neuen Forschungslizenzen erteilt werden, so dass Anfang des Jahres 2002 die Arbeit vollständig eingestellt werden musste. Glücklicherweise gelang es dem SOCP in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern und den lokalen Verwaltungsbehörden, die Forschung Mitte 2003 wieder aufzunehmen und die wichtige Arbeit weiterzuführen. Unsere Anwesenheit hat ausserdem illegale Holzfäller aus dem Gebiet ferngehalten und verhindert, dass die Station selbst vom Militär oder den Separatisten zerstört wurde. Beide waren aber regelmässig Gäste auf der Forschungsstation.
In Ketambe erforschen wir die Auswirkungen der illegalen Rodungen, welche in den ersten Jahren des Konfliktes in diesem Gebiet stattfanden, auf die Orang-Utans und andere Primaten. Gleichzeitig können wir äusserst wertvolle Daten über die Orang-Utan Population sammeln und damit die Informationen aus den letzten Jahrzehnten erweitern. Dadurch gewinnen wir aussergewöhnliche Einblicke in die Lebensgeschichte (
Life history) einzelner Individuen, die in dieser Region leben. So wissen wir, dass einige der Orang-Utans über 50 Jahre alt sind. Sie sind - bereits als adulte Tiere - 1971 von Dr. Rijksen persönlich identifiziert und mit einem Namen versehen worden!