Lernen für's Überleben
Bevor die Orang-Utans in die Freiheit entlassen werden können, müssen sie wieder lernen, wie sie im Wald überleben. Ein Prozess, der Monate dauert.

Nach ihrer Sozialisierung auf der Quarantänestation werden die gesunden Orang-Utans in das Zentrum für Wiederansiedlung in Jambi gebracht. Das Zentrum liegt an der Grenze des Bukit-Tigapuluh-Nationalparks und wurde von unserem Partner, der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, aufgebaut. Nach ihrer Ankunft wird den Orang-Utans zuerst etwas Zeit gegeben, um sich vom Transport zu erholen und an die neue Umgebung zu gewöhnen. Dann beginnen sie Schritt für Schritt alles zu lernen, was sie zum Überleben im Wald brauchen. Dieser Prozess dauert meist mehrere Monate, kann in einigen Fällen aber auch Jahre in Anspruch nehmen. Die Orang-Utans müssen alles noch mal lernen, oder gar ganz neu Anfangen, wenn sie sehr jung gefangen wurden. Das Wichtigste ist dabei die Nahrung: welche Pflanzen sind geniessbar, welche andere Nahrung es gibt und wo respektive zu welcher Jahreszeit man sie findet. Geht es um besonders stachelige oder schwer zu öffnende Früchte, müssen die Orang-Utans auch lerenn, wie man trptzdem an das Fressen kommt. Eine weitere wichtige Fähigkeit ist der Nestbau, denn ein Nest in der Baumkrone schützt vor Räubern, Parasiten und Krankheitserregern, die am Boden zu finden sind.
Normalerweise lernt ein Junges all diese Fähigkeiten in den ersten Lebensjahren von seiner Mutter. Im Wiederansiedlungszentrum müssen sie hingegen wieder an ihre Fähigkeiten erinnert werden oder sie von Grund auf erlernen. Dafür werden die meisten Orang-Utans morgens aus ihren Käfigen genommen und verbringen dann den ganzen Tag zusammen und mit unseren Mitarbeitern im Wald. Gemeinsam erkunden und erforschen sie alles, was ihnen unter die Finger kommt. Die Mitarbeiter zeigen ihnen auch spezielle Früchte und essen diese demonstrativ (oder tun zumindest so, als ob...) – genauso, wie es die Mütter gemacht hätten. Grössere oder gefährliche Orang-Utans, die nicht ohne Narkose gehandhabt werden können, bleiben hingegen länger im Käfig. Ihnen wird so viel verschiedenes Fressen wie nur möglich gebracht. Wenn sie einmal freigelassen werden, erkennen sie so zumindest Nahrung und wissen auch, wie man was frisst.