Zehn erfolgreiche Jahre

Seit dem Start des SOCP im Jahre 1999 sind mehr als 190 Orang-Utans in der Quarantänestation aufgenommen und über 125 in die Freiheit entlassen worden. Das SOCP ist ausserdem ein Vorreiter bei Bestandesaufnahmen, in der Forschung und im Monitoring von wilden Orang-Utan Populationen auf Sumatra.

Das SOCP begann seine Aktivitäten 1999 mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung zwischen der Sitftung PanEco und dem Direktor des Indonesischen Ministeriums für Wald- und Naturschutz. Eines der ersten Ziele war der Aufbau einer modernen, dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechenden Quarantänestation für konfiszierte illegal als Haustiere gehaltene Orang-Utans und ein Wiederansiedelungsprogramm, um diese Tiere wieder in die Wildnis zu entlassen. Im Jahr 2002 wurde das Batu-Mbelin-Quarantänezentrum in der Nähe von Medan fertig gestellt und im Januar 2003 wurden die ersten Orang-Utans in das Wiederansiedlungszentrum beim Bukit-Tigapuluh-Nationalpark in der Provinz Jambi überführt, um kurze Zeit später freigelassen zu werden. Seither haben über 190 Orang-Utans das Quarantänezentrum durchlaufen. 125 dieser Tiere wurden für ihre Wiederansiedelung nach Jambi überführt und es gab mindestens drei Geburten in Freiheit.

Forschung und Umweltbildung
Nachdem das Wiederansiedlungsprogramm funktionierte, wandten wir uns den nächsten Schritten zu. Dazu gehörten die Wiederaufnahme der Langzeitforschung zur Ökologie des Orang-Utan-Schutzes und die Entwicklung und Umsetzung eines umfassenden Erziehungs- und Bildungsprogramms, um den Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums fördern. Zwischen 2001 und 2002 kam die Forschung in Nordsumatra durch den bewaffneten Unabhängigkeitskonflikt in der Provinz Aceh praktisch zum erliegen. Doch 2003 gelang es SOCP-Mitarbeitenden, Beobachtung und Datenaufnahme auf der bekannten Forschungsstation Ketambe in Südost-Aceh wieder aufzunehmen. Im gleichen Jahr wurden mobile und stationäre Umweltbildungseinheiten eingerichtet. Das stationäre Team stellt Informationsmaterial zusammen (Filme, Broschüren, Poster, etc.) und besucht Konferenzen und Ausstellungen. Die mobilen Einheiten besuchen Dörfer, Schulen und Lokalregierungen in den Regionen, die an Orang-Utan-Lebensräume angrenzen, um Gespräche zu führen, Seminare anzubieten und Informationsmaterial zu verteilen.

Nach dem Ende des Konfliktes in Aceh konnte 2007 auch die Forschung in Suaq Balimbing im Torfsumpfwald von Kluet wieder aufgenommen werden. Hier musste die Arbeit aus Sicherheitsgründen bereits 1999 eingestellt werden. Suaq ist der Ort, wo unser Geschäftsführer Dr. Ian Singleton die Daten für seine Dissertation sammelte und wo zum ersten Mal der Gebrauch von Werkzeugen bei wilden Orang-Utans beobachtet wurde. In den Küstensumpfwäldern von Kluet, Tripa und Singkil ist ausserdem die höchste Dichte an Orang-Utans weltweit nachgewiesen worden (8 Tiere pro Quadratkilometer). Seit dem Neustart 2007 konnten wieder zahlreiche indonesische wie ausländische Studenten hierher kommen und diese einzigartige Orang-Utan Population weiter erforschen.

Schutz des Lebensraumes
Neu werden nun auch Feldstudien im Batang Toru Waldgebiet in der Region Tapanuli in Nordsumatra durchgeführt. Abgesehen von wenigen Zählungen durch das SOCP ist diese Orang-Utan Population nie zuvor ausführlich erforscht worden. Die laufende Forschung in Batang Toru ist Teil eines grösseren Programms: In Zusammenarbeit mit den Lokalregierungen und anderen Interessensgruppen entwickeln wir ein Konzept, um die Orang-Utan-Population und ihren Lebensraum auch künftig zu erhalten.

In den Wäldern des Bukit Tigapuluh Nationalparks, wo mit den ausgewilderten Orang-Utans eine neue  Population aufgebaut wird, hat das SOCP Schutzpatrouillen eingerichtet. Diese Patrouillen sind sehr gut ausgebildet und ausgerüstet und sind sowohl entland des Waldrandes wie auch im Wald selbst unterwegs. Sie halten illegale Holzfäller und Wilderer fern und erstatten über die Orang-Utans, Elefanten und andere Wildtiere im Nationalpark bericht.  Das SOCP entwickelt zudem ein neues Bildungsprogramm in Zusammenarbeit mit den Lokalregierungen und weiteren Interessengruppen, um den Schutz und die Verwaltung der drei verbleibenden Küstensumpfwälder an der Westküste von Aceh zu verbessern. In dieser Region leben 30 Prozent der letzten wild lebenden Sumatra Orang-Utans.

Das SOCP hat weiterhin eine führende Rolle in Erforschung und Monitoring der wilden Orang-Utan Populationen auf Sumatra. Wir nutzen dabei Fern- und Feldbeobachtungen, um die An- oder Abwesenheit, die geschätzte Dichte, Gefährdung und Trends in der Populationsentwicklung festzustellen. Wir verfolgen auch das zunehmende Konfliktpotential der Orang-Utans mit den Menschen. Am Waldrand auftauchende Tiere werden gejagt, da sie die Fruchternten der örtlichen Bauern plündern. Das SOCP unterstützt die Gemeinden bei der Ermittlung der effektiven Kosten dieses Konflikts.

 

webdesign by strichpunkt.ch